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In meinem jugendlichen Leichtsinn und nach einem scheuen Blick ins Manual dachte ich mir: "Kann ja nicht viel sein, vermutlich einer der Grün-Transistoren in der Ausgangsstufe hops gegangen".
Dummerweise hat das Bild aber Weißanteile. Daher war das schon mal ein Holzweg.
Also rückwärts durchs Schaltbild gearbeitet und dabei auf 4 RAMs gestoßen, wo bei dreien sowas raus kam:
Ich hab mal in den Settings rumgespielt. Komisch, alle Statistiken auf 0.
Settings geändert, gespeichert, ausgeschaltet, eingeschaltet, alles wieder weg.
Gauntlet benutzt ein paar exotische Spannungen, die ich durch rauswerfen von Spannungsreglern und ersetzen durch Brücken zurechtgepfuscht habe.
Da ist aber alles ok.
Das Atari-Schaltbild passt natürlich auch, aber man ist elendig am Suchen, weil die ganzen Chip-Positionen nicht passen.
Wenn man sich dann durch das Schaltbild gegraben hat, kommt man relativ schnell darauf, dass der markierte Chip mausetot ist:
Bevor wir Sprengstoff - sprich Strom - anlegen, kann man schon vorab Einiges machen.
Z.B. alles prüfen, was gesockelt ist:
- CPU's --> ok
- ROMs --> ok? ja/nein/vielleicht. Keine Ahnung. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen ließ sich kein einziges ROM sauber testen.
- RAMs --> und da ging es los:
Ein Friedhof der Kuscheltiere - ehm - Krabbelkäfer:
Die 4027 sind offenbar das neue Gold.
In Europa unter 10€/Stück nicht zu kriegen. Die sind doch alle nicht ganz frisch.
Der Eigentümer des Blocks war dann so nett und hat die RAMs besorgt:
Den 82S09 gab's für einen halbwegs brauchbaren Kurs in nem deutschen Flipper-Shop.
Die 4027 mussten aus Übersee rangeschafft werden.
Nachdem denn die Ersatzteile endlich da waren und das Nötigste verkabelt war, 20x alles kontrolliert wurde, ging es ans Einschalten.
Nix passiert. Nur ein statisches Bild mit schwarzen und weißen Streifen.
Mal schnell Reset vom Hauptprozessor gemessen: Aha! Stuck low.
Reset-Schaltung im Schaltbild gesucht.
Was für nen Sche... Wer denkt sich sowas aus? Komplizierter gehts nicht?
Aus dem Netzteil wird ne extra Wechselspannung zum Erzeugen des Reset bereitgestellt.
Wo soll ich die denn wegnehmen???
Muss auch ohne gehen.
Wir bauen einen Schalter parallel zu C46 ein, und ab geht die Luzi.
Man erkennt zwar nicht allzu viel, aber man sieht, dass zumindest Code ausgeführt wird.
Ein Bisschen wälzen im Manual ergibt, dass das Ding ein "built-in self-test system" hat.
Dafür gibt es sogar ein eigenes EPROM. U25
Aktiviert wird das self-test system durch drücken des roten Schalters auf dem CPU-Board.
Dummerweise gibt es auf dem CPU-Board keinen Schalter.
Nach einigem Suchen hab ich dann die leere Stelle gefunden.
Flugs noch nen Schalter eingebaut:
Offenbar ist was als kaputt erkannt worden. Bloß was?
Wer kann's übersetzen?
Mit etwas Phantasie erkennt man "Error Video Memory".
Die unterste Zeile wäre interessant...
Chip U65 vielleicht?
Hmm, wenn der Videospeicher funktionieren würde, könnt man es bestimmt lesen.
Nen Chip U65 gibt es leider nicht.
Die Video-RAMs heißen U16-U31.
Ich habe das ungute Gefühl, dass das (mindestens) ein kaputter Sockel ist.
Von toll sind die Sockel meilenweit entfernt.
Wenn man dann die RAM-Chips ein bisschen anders mischt:
Der RAM-Test läuft jetzt immer einwandfrei durch.
Danach kommt ein Coincounter-Test. Den habe ich nicht verstanden.
Wenn einer weiß, was man damit machen soll, oder wie man daran vorbei kommt, bitte melden.
Dummerweise kommt danach erst der ROM-Test. Den würde ich ja gerne sehen...
Sound konnte ich der Büchse bis jetzt nicht entlocken. Mal die Boards umstecken...
Eingeschaltet. Watchdog bellt munter vor sich hin.
Erstmal die Vector State Machine(VSM) abklemmen um zu sehen, aus welcher Richtung das Gekläffe kommt.
Der LS42 ist freundlicherweise bereits gesockelt.
Lästig: Watchdog bellt immer noch munter vor sich hin.
Also liegt wohl ein Fehler rund um den Prozessor vor.
Die Basics:
ROMs testen - checked - ok
Prozessor testen - checked - ok
RAMs sockeln und testen - checked ok.
Schade. Nix Einfaches.
Dann muss wohl doch gemessen werden.
Oskar raus und gemessen, was das Zeug hält. Dummerweise sahen alle Signale eigentlich ok aus.
Letzte Idee: Eins der RAMs ist doch nicht ok. Also beide getauscht.
Der Watchdog hält die Fresse, das Spiel ist blind spielbar.
Merke:
Auch wenn ein RAM in einem anderen Gerät einwandfrei funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass es das im Patienten auch tut.
Toller Fehler. So verbrennt man Zeit.
Nachdem wir nun den CPU-Teil endlich am laufen haben, wird die VSM wieder angeklemmt.
Toll. Schon bellt der Watchdog wieder los. Nächster Fehler in der VSM.
Aber immerhin wird schon mal Blitzlichtgewitter dargestellt:
... zusammen mit nem ziemlich nervigen Dauer-UFO-Sound...
Aber man kann zumindest auch schon mal das Testpattern erkennen.
Kümmern wir uns also erstmal um den Sound. Dabei kann ja kein Mensch arbeiten.
Der UFO-Sound wird in diesem Schaltungsteil erzeugt:
Über das Signal "SAUCRSNDEN" M11 Pin 4 wird der UFO-Sound eingeschaltet.
An Pin4 von M11 stand ein konstanter Pegel von 2V an. Das hat mit TTL wenig zu tun.
Den LS259 ausgetauscht, Ruhe is.
Beim Entfernen des ROMs aus dem Sockel ist zur Vorsicht gleich das Sockelgehäuse mit rausgekommen.
Hab ja sonst nix zu tun. Aber das nur am Rande.
Da ich dazu erstmal wenig bis keine Ideen hatte, bin ich erstmal im KLOV-Forum stöbern gegangen.
Sowas ist doch nicht zum ersten Mal aufgetreten...
Und tatsächlich gab es Ähnliches schon mal. Es war die Rede von X- und Y-Countern...
Da die Diagonallinien unten raushängen, liegt das Problem vermutlich bei den Y-Countern.
Und tatsächlich: Aus dem LS191 auf F9 kommt aus einem Ausgang nix raus.
Also raus damit, und rein in den Tester:
Moooment mal. Das hatten wir doch schon mal irgendwo..?
(30.03.2026, 15:44)SamWhiskey schrieb: Merke:
Auch wenn ein RAM in einem anderen Gerät einwandfrei funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass es das im Patienten auch tut.
Mit Reparatur, hat es an diesem Board nicht viel zu tun. Chips brennen und kleine Lötarbeiten im Besten Fall. So bekommt man diese Spiele wieder zum laufen.
Hmm, Spiel funktioniert erstmal soweit. Wo ist der Fehler?
Im Testmode tritt er dann zutage:
Man sieht flackernde Pixel Mitte links unterhalb der pinkfarbenen Blöcke, und rechts in den grünen Blöcken unterhalb der blauen Blöcke.
Die obere Hälfte der Blöcke stammt aus dem Playfield-RAM, die untere Hälfte aus dem Object-RAM.
Playfield- und Objekt-RAM sind identisch aufgebaut:
Die Chance, dass man sowas messen kann ist ja doch eher gering.
Wenn man mit dem Oszilloskop am Pin 12 eines beliebigen RAMs misst, ist der Fehler weg.
Möglicherweise ein kapazitives Problem.
Wo sucht man denn sowas?
Ein Blick in den Schaltplan offenbart: Pin 12 ist XA3
Wenn man dann in der Signalfolge rückwärts geht, stellt man fest: XA3 kommt aus IC131 Pin 9, einem 74(LS)153:
Was auffällt, wenn man sich das Board ansieht: IC131 steckt als einziges der vier 74(LS)153 in einem Sockel.
Da war also schon mal jemand dran und hat einen 74LS153 eingebaut.
Was als nächstes auffiel: Die fest eingelöteten 153er sind alles 74153!
Sollte etwa..? Könnte es möglich sein..? Aber nicht doch..?
Oh, doch! Nach Austausch des 74LS153 gegen einen 74153 ist der Fehler verschwunden! Beliebig reproduzierbar.
Merke: 74LS153 ≠ 74153 oder auch für die Oldschoolprogrammier: 74LS153 != 74153!
Noch nie gesehen.
Eigentlich kann das gar nicht passieren. Wenn der Prozessor steht, gibts normalerweise gar kein Bild.
Wenn man auf Testbild umschaltet, geht der Bildschirm aus.
Ich hab mal ein bisschen auf dem Board rumgestochert. Sah eigentlich alles soweit ok aus.
Also mal meine Audioprobe angeschlossen, Schalter auf Testmode, und eingeschaltet.
Siehe da: 2 tiefe Töne , ein hoher Ton.
Soso, RAM auf M4 defekt.
Das RAM ist nicht komplett tot, es reicht aber scheinbar, dass die Codeausführung abbricht. Aber wohl so, dass der Prozessor nicht abstürzt.
Ausgetauscht und im Cab eingebaut:
Da gehjawida.
Ja, ich weiß: Das Bild im 2. Video ist viel zu groß. Ich wollte jetzt aber weder auf dem Board noch im Cab die Potis verkurbeln.